Letzten Freitag hat jeder Mitarbeiter des Uniklinikums einen Brief (aus Papier, nicht elektronisch) der Verwaltung bekommen. Darin stand der eindringliche Hinweis aus aktuellem Anlaß der potentiellen Verwicklung eines anderen baden-württembergischen Universitätsklinikums in einen Skandal, dass Doping verboten sei. Und zwar sowohl die Einnahme als auch die wissentliche und nicht-wissentliche Verabreichung an Dritte, etc, etc. Und bestechen lassen dürfen wir uns auch nicht.
Und was lese ich da im neuesten Spiegel? Zwei Millionen Deutsche dopen am Arbeitsplatz, 800.000 davon sogar regelmäßig. Und wir reden hier nicht von so Schnickschnack wie Kaffee, Vitaminpillen und Zigaretten. Nein, richtig harte Sachen. Psychopharmaka, verschreibungspflichtige Medikamente, Drogen, andere leistungssteigernde Substanzen. Ich bin schockiert.
Seit Jahren bringt uns die Polizei täglich Blut- und Serumproben zur Analyse, oft mit dem Hinweis der Staatsanwaltschaft auf Dringlichkeit. Hin und wieder kommen dann noch Drogenanalysen hinzu, Marihuana, Haschisch, Kokain, Heroin, Ecstasy, und weiß-der-Kuckuck-was-noch als Pulver, Tabletten oder in sonstiger Form. Meist sind das noch dringendere Fälle, weil sich der Angeklagte schon in U-Haft befindet. Unser Tresor ist bis obenhin gefüllt mit allen möglichen leistungssteigernden Substanzen, ständig kommt Nachschub. Und was machen wir Idioten? Wir sitzen an der Quelle, halten uns mit dem leckeren Klinik-Essen, Koffein, Nikotin, Schokolade und tonnenweise Süßigkeiten bei Laune und sind froh, wenn wir noch einigermaßen gut in der Zeit liegen. Doch ha, wir sind durchaus lernfähig und bereit, zwischen den Zeilen zu lesen. Nach jahrelangem Winken mit Zaunpfählen haben wir endlich verstanden. Und dank der freundlichen und detaillierten Hinweise des Uniklinikums und des Spiegels wird jetzt alles anders - dass wir da nicht schon viel früher drauf gekommen sind...
So, ihr Polizisten, bringt bald mal wieder ein paar von diesen kleinen lustigen bunten Pillen vorbei, wir werden sie gerecht unter allen aufteilen und dann so schnell arbeiten, dass euch Hören und Sehen vergeht, noch bevor euch das Wort "dringend" überhaupt in den Sinn geschweige denn über die Lippen kommt. Jawoll.
Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muß mal fix einen Blick in den Tresor werfen.
Rainy day in UW Arboretum
vor 2 Tagen

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